Rückblick: Fish Bowl-Diskussion

Wie wird Arbeit in Zukunft wirklich inklusiver?

 

+++ Unten gibt es den Text in Leichter Sprache +++


Rund 60 Besucher*innen diskutierten bei der Podiumsdiskussion des Projekts Selbstvertretung der Lebenshilfe Trier und der VHS Trier über die Zukunft inklusiver Arbeit

Wie kann eine Arbeitswelt aussehen, in der Menschen mit und ohne Behinderung selbstverständlich zusammenarbeiten? Welche Hürden bestehen noch immer? Und was muss sich verändern, damit Menschen mit Behinderung ihre Fähigkeiten und Stärken auf dem Arbeitsmarkt einbringen können?


Um diese Fragen ging es bei der Podiumsdiskussion „Wie wird Arbeit in Zukunft wirklich inklusiv?“ am 24. September 2026 in der VHS Trier. Das Projekt „Selbstvertretung – von uns für uns!“ der Lebenshilfe Trier e. V. hatte gemeinsam mit der VHS Trier im Rahmen der Langen Nacht der Demokratie eingeladen. Rund 60 Besucher*innen kamen zu der Veranstaltung und sorgten für einen gut gefüllten Saal. Das große Interesse zeigte sich auch im Verlauf des Abends: Im Fishbowl-Format beteiligten sich Besucher*innen mit eigenen Fragen, Erfahrungen und Sichtweisen aktiv an der Diskussion.


Unterschiedliche Perspektiven an einem Tisch
Moderiert wurde die Diskussion von Prof. Dr. Eva Martha Eckkrammer, Präsidentin der Universität Trier. Auf dem Podium diskutierten Marko Arnoldy, Personalleiter bei REWE Tim Schirra oHG, als Vertretung für Tim Schirra, Heike Josten, Expertin in eigener Sache und Selbstvertreterin, Gerd Dahm, Beauftragter für die Belange von Menschen mit Behinderung der Stadt Trier, Reinhilde Willems, Geschäftsführerin der Agentur für Arbeit Trier, sowie Martin Herz, Geschäftsführer der Lebenshilfe-Werke Trier.
Damit trafen unterschiedliche Erfahrungen und Blickwinkel aufeinander: die Perspektive von Menschen mit Behinderung, die Sicht eines Arbeitgebers, der Arbeitsverwaltung, der kommunalen Behindertenpolitik und der Lebenshilfe Werke. 


Im Mittelpunkt stand die Frage, was es braucht, damit inklusive Arbeit nicht nur ein Ziel bleibt, sondern im Arbeitsalltag tatsächlich gelebt werden kann. Dabei ging es um Arbeitsplätze und Beschäftigungsmöglichkeiten, um notwendige Unterstützung, die Rolle von Arbeitgebern und um die Gestaltung von Übergängen auf den allgemeinen Arbeitsmarkt.


Nicht alle Perspektiven waren vertreten
Im Verlauf des Abends wurde aber auch deutlich, welche Perspektive in der Diskussion fehlte: die von Arbeitgebern und Unternehmen, die bislang keine Menschen mit Behinderung beschäftigen oder Inklusion im eigenen Betrieb skeptisch beziehungsweise ablehnend gegenüberstehen.


Gerade diese Sichtweise wäre für die Diskussion wichtig gewesen. Denn wer verstehen möchte, warum Inklusion auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt trotz positiver Beispiele noch immer nicht selbstverständlich ist, muss sich auch mit den Vorbehalten und Hindernissen dort beschäftigen, wo Inklusion bislang nicht stattfindet.


Warum beschäftigen Unternehmen keine Menschen mit Behinderung? Welche Vorbehalte oder Unsicherheiten gibt es? Fehlt es an Wissen, Unterstützung oder geeigneten Rahmenbedingungen? Und wo braucht es möglicherweise ein grundsätzliches Umdenken?
Diese Fragen konnten an diesem Abend nicht aus Sicht der betreffenden Arbeitgeber beantwortet werden. Sie bleiben aber wichtig für die weitere Diskussion darüber, wie der allgemeine Arbeitsmarkt tatsächlich inklusiver werden kann.


Nicht über Menschen reden, sondern mit ihnen
Ein zentraler Gedanke des Abends war die Frage, was echte Teilhabe eigentlich bedeutet. Begriffe wie Inklusion, Teilhabe, Barrierefreiheit und uneingeschränkter Zugang sind heute deutlich präsenter. Auch Menschen mit Behinderung sind im gesellschaftlichen Leben und in der Arbeitswelt sichtbarer geworden. Gleichzeitig wurde diskutiert, wie weit Anspruch und Wirklichkeit noch auseinanderliegen. 
Dabei ging es auch darum, den Blick auf Menschen mit Behinderung zu verändern. Inklusion darf sich nicht darauf beschränken, vermeintliche Schwächen auszugleichen. Ebenso wichtig ist es, individuelle Stärken und Potenziale zu erkennen und zu fördern. Selbstbestimmung und die Möglichkeit, wirklich mittendrin zu sein, statt lediglich dabei zu sein, sind wesentliche Voraussetzungen für gesellschaftliche Teilhabe. 


Das Publikum diskutierte mit
Passend zum Gedanken der Selbstvertretung fand die Podiumsdiskussion im Fishbowl-Format statt. Ein Platz auf dem Podium blieb für das Publikum frei. Besucher*innen konnten dort spontan Platz nehmen, Fragen stellen, von eigenen Erfahrungen berichten und ihre Sichtweise in die Diskussion einbringen.
So blieb es nicht bei einem klassischen Gespräch zwischen den eingeladenen Gästen. Das Publikum wurde selbst Teil der Diskussion. Gerade das entsprach einem wichtigen Grundsatz des Projekts „Selbstvertretung – von uns für uns!“: „Nichts über uns ohne uns!“
Menschen mit Behinderung sollen nicht nur Gegenstand von Diskussionen über Inklusion sein. Sie sollen selbst mitreden, ihre Erfahrungen einbringen und an Entscheidungen beteiligt sein.

Stärken erkennen statt Defizite in den Mittelpunkt stellen
Eine weitere Frage des Abends war, nach welchen Maßstäben Arbeit und Leistung bewertet werden. In einem Impuls zur Veranstaltung wurde thematisiert, welche Rolle Produktivität, Wirtschaftlichkeit und Finanzierbarkeit spielen – und ob Menschen mit Behinderung trotz vieler Fortschritte noch zu häufig vor allem als Empfänger*innen von Unterstützung wahrgenommen werden. 
Dem gegenüber stand ein anderer Blick: Potenziale erkennen, Stärken fördern und Selbstbestimmung ermöglichen. Ziel einer inklusiven Arbeitswelt sollte sein, Menschen nicht zuerst danach zu beurteilen, was sie vermeintlich nicht können, sondern Möglichkeiten zu schaffen, ihre Fähigkeiten einzubringen. 
Die Diskussion zeigte zugleich, dass eine inklusive Arbeitswelt nicht von einer Seite allein geschaffen werden kann. Menschen mit Behinderung selbst müssen aktiv an ihrer Gestaltung beteiligt sein. Gleichzeitig sind Arbeitgeber, Arbeitsverwaltung, Politik und soziale Organisationen gefragt, gemeinsam Bedingungen zu schaffen, die inklusive Beschäftigung ermöglichen.


Selbstvertretung heißt mitreden und mitgestalten

Begleitend zur Veranstaltung präsentierte das Projekt „Selbstvertretung – von uns für uns!“ eine kleine Ausstellung rund um das Thema inklusive Arbeit. Die Podiumsdiskussion wurde außerdem von Gebärdensprachdolmetschenden begleitet.
Die Veranstaltung machte damit einen zentralen Gedanken des Projekts sichtbar: Menschen mit kognitiven Beeinträchtigungen sollen darin gestärkt werden, für ihre Rechte und Interessen selbst einzutreten – für sich und für andere.
Es geht darum, mitzumachen, sich einzumischen und mitzumischen. Das gilt auch für die Arbeitswelt. Denn wenn Arbeit wirklich inklusiv werden soll, müssen Menschen mit Behinderung an der Gestaltung dieser Zukunft beteiligt sein.
Gleichzeitig zeigte der Abend: Der Austausch muss weitergehen – und dabei sollten künftig auch diejenigen stärker ins Gespräch einbezogen werden, bei denen inklusive Beschäftigung bislang noch nicht stattfindet. Denn auf dem Weg zu einem inklusiveren Arbeitsmarkt müssen nicht nur gute Beispiele sichtbar gemacht, sondern auch bestehende Vorbehalte, Hindernisse und Widerstände thematisiert werden.


Die Veranstaltung wurde vom Projekt „Selbstvertretung – von uns für uns!“ der Lebenshilfe Trier e. V. in Kooperation mit der VHS Trier organisiert. Das Projekt wird durch Aktion Mensch gefördert.

+++ Leichte Sprache +++

Wie wird Arbeit in Zukunft wirklich inklusiv?
Etwa 60 Menschen sprechen über inklusive Arbeit
Menschen mit und ohne Behinderung sollen zusammen arbeiten können.
Aber das ist noch nicht überall so.
Menschen mit Behinderung erleben noch viele Hindernisse bei der Arbeit.
Darum ging es bei einer Veranstaltung am 24. September 2026.
Die Veranstaltung war in der VHS Trier.
Das Thema war:
Wie wird Arbeit in Zukunft wirklich inklusiv?


Inklusiv bedeutet:
Alle Menschen können mitmachen.
Menschen mit Behinderung haben die gleichen Möglichkeiten wie Menschen ohne Behinderung.
Das Projekt „Selbstvertretung – von uns für uns!“ von der Lebenshilfe Trier hat die Veranstaltung organisiert.
Die VHS Trier hat die Veranstaltung mit organisiert.
Die Veranstaltung war ein Teil von der Langen Nacht der Demokratie.
Etwa 60 Menschen kamen zu der Veranstaltung.


Der Saal war gut gefüllt.
Viele Menschen aus dem Publikum machten bei der Diskussion mit.
Sie stellten Fragen.
Sie erzählten von ihren Erfahrungen.
Und sie sagten ihre Meinung.
Viele verschiedene Menschen diskutierten miteinander
Prof. Dr. Eva Martha Eckkrammer leitete die Diskussion.
Sie ist Präsidentin von der Universität Trier.
Bei der Diskussion waren:
Marko Arnoldy.
Er ist Personalleiter bei REWE Tim Schirra oHG.
Er war als Vertretung für Tim Schirra da.
Heike Josten.
Sie ist eine Expertin in eigener Sache.
Und sie ist Selbstvertreterin.
Das bedeutet:
Sie setzt sich selbst für ihre Rechte und die Rechte von Menschen mit Behinderung ein.
Gerd Dahm.
Er ist der Beauftragte für die Belange von Menschen mit Behinderung bei der Stadt Trier.
Reinhilde Willems.
Sie ist Geschäftsführerin von der Agentur für Arbeit Trier.
Martin Herz.
Er ist Geschäftsführer von den Lebenshilfe-Werken Trier.
Diese Menschen haben unterschiedliche Erfahrungen.


Deshalb konnten sie aus verschiedenen Blickwinkeln über inklusive Arbeit sprechen.
Zum Beispiel:
•    Was brauchen Menschen mit Behinderung bei der Arbeit?
•    Welche Unterstützung brauchen sie?
•    Was können Arbeitgeber tun?
•    Wie können mehr Menschen mit Behinderung auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt arbeiten?


Der allgemeine Arbeitsmarkt bedeutet:
Menschen mit und ohne Behinderung arbeiten gemeinsam in Unternehmen und Betrieben.
Eine wichtige Sichtweise hat gefehlt
Bei der Diskussion wurde auch deutlich:
Eine wichtige Gruppe war nicht dabei.
Das waren Arbeitgeber und Unternehmen, die bisher keine Menschen mit Behinderung beschäftigen.
Manche Unternehmen sind vielleicht unsicher.
Oder sie haben Vorbehalte gegen inklusive Arbeit.
Auch mit diesen Unternehmen muss man sprechen.


Zum Beispiel über diese Fragen:
Warum beschäftigen manche Unternehmen keine Menschen mit Behinderung?
Welche Sorgen haben die Unternehmen?
Fehlen Informationen?
Brauchen die Unternehmen mehr Unterstützung?
Oder müssen sich manche Unternehmen grundsätzlich verändern?
Diese Fragen konnten bei der Veranstaltung nicht von diesen Arbeitgebern beantwortet werden.
Aber die Fragen sind wichtig.
Denn wir müssen wissen:
Warum gibt es noch so wenige inklusive Arbeitsplätze?
Nicht über Menschen reden – sondern mit ihnen
Bei der Veranstaltung ging es auch um Teilhabe.
Teilhabe bedeutet:
Alle Menschen können überall mitmachen.
Menschen mit Behinderung sollen selbst entscheiden können.
Sie sollen sagen können:
Das möchte ich.
Das brauche ich.
Das kann ich gut.


Darum ist es wichtig:

Wir dürfen nicht nur über Menschen mit Behinderung sprechen.
Wir müssen mit ihnen sprechen.
Und wir müssen ihnen zuhören.
Menschen mit Behinderung haben viele Fähigkeiten und Stärken.
Diese Stärken müssen gesehen werden.
Menschen mit Behinderung sollen nicht nur dabei sein.
Sie sollen wirklich dazugehören.


Das Publikum konnte mitreden
Die Diskussion hatte eine besondere Form.
Diese Form heißt Fishbowl.
Das spricht man ungefähr so aus:
Fisch-Bohl.
Ein Platz auf dem Podium war immer für das Publikum frei.
Besucherinnen und Besucher konnten sich dort hinsetzen.
Sie konnten eine Frage stellen.
Sie konnten von ihren Erfahrungen erzählen.
Oder sie konnten ihre Meinung sagen.
Danach wurde der Platz wieder für eine andere Person frei.
So konnte das Publikum direkt mitdiskutieren.
Das passt gut zum Projekt:
„Selbstvertretung – von uns für uns!“
Ein wichtiger Satz des Projekts ist:
„Nichts über uns ohne uns!“
Das bedeutet:
Menschen mit Behinderung müssen mitreden können.
Besonders dann, wenn es um ihr eigenes Leben geht.
Die Stärken von Menschen sehen
Bei der Diskussion ging es auch um Leistung bei der Arbeit.


Oft wird gefragt:
Wie viel kann ein Mensch arbeiten?
Wie schnell kann ein Mensch arbeiten?
Wie viel Geld kostet die Unterstützung?
Aber es gibt noch andere wichtige Fragen.
Zum Beispiel:
Was kann ein Mensch besonders gut?
Welche Fähigkeiten hat ein Mensch?
Welche Unterstützung braucht ein Mensch?
Und wie kann ein Mensch selbstbestimmt arbeiten?
Menschen sollen nicht zuerst danach beurteilt werden, was sie nicht können.
Wir müssen stärker darauf schauen, was sie können.
Eine inklusive Arbeitswelt kann aber nur entstehen, wenn viele Menschen zusammenarbeiten.
Dazu gehören:
Menschen mit Behinderung.
Arbeitgeber.
Die Agentur für Arbeit.
Die Politik.


Und soziale Organisationen.
Sie alle müssen gemeinsam dafür sorgen:
Menschen mit Behinderung bekommen gute Möglichkeiten auf dem Arbeitsmarkt.
Selbstvertretung bedeutet: mitreden und mitgestalten
Bei der Veranstaltung gab es auch eine kleine Ausstellung.
Die Ausstellung war vom Projekt:
„Selbstvertretung – von uns für uns!“
Das Thema der Ausstellung war inklusive Arbeit.
Bei der Veranstaltung waren auch Gebärdensprach-Dolmetschende dabei.
Das Projekt möchte Menschen mit kognitiven Beeinträchtigungen stärken.
Sie sollen ihre Rechte kennen.
Und sie sollen selbst für ihre Rechte eintreten können.
Sie sollen mitreden.
Sie sollen mitentscheiden.
Und sie sollen die Gesellschaft mitgestalten.
Das gilt auch für die Arbeitswelt.


Denn Menschen mit Behinderung wissen selbst am besten:
Was brauchen wir?
Was muss sich verändern?
Und wie wollen wir arbeiten?
Die Diskussion hat aber auch gezeigt:
Wir müssen weiter miteinander sprechen.
Dabei müssen wir auch mit Unternehmen sprechen, die bisher keine Menschen mit Behinderung beschäftigen.
Wir müssen herausfinden:
Welche Hindernisse gibt es noch?
Welche Vorbehalte gibt es?
Und was können wir gemeinsam verändern?
Denn eine inklusive Arbeitswelt kann nur entstehen, wenn alle mitmachen.
Die Veranstaltung wurde vom Projekt „Selbstvertretung – von uns für uns!“ der Lebenshilfe Trier e. V. zusammen mit der VHS Trier organisiert.
Aktion Mensch unterstützt das Projekt mit Geld.

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